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Forschungsinitiative Psychoanalytische Psychotherapie FIPP
Ein Projekt der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel, Abteilung Psychotherapie und Psychohygiene
und der EFPP Deutsche Schweiz
unter der Leitung von Prof. Dr. J. Küchenhoff

Gefördert durch den Schweizerischen Nationalfonds
und die Stiftung zur Förderung von Forschung und Lehre der Freiwilligen
Akademischen Gesellschaft Basel

Das wissenschaftliche Interesse des vorliegenden Forschungsprojekts richtet sich vor allem auf den analytischen Prozess. Methodisch und inhaltlich knüpft das Projekt an die Langzeitstudie "Psychoanalytische Psychotherapie" an, die in Heidelberg, Berlin und Zürich (analytische Psychologie) durchgeführt wird. Ergebnisse, die dort für langfristige Verläufe hochfrequenter Therapien erzielt worden sind, lassen aufhorchen und motivieren zusätzlich, auch die für die Versorgung so wichtigen niederfrequenteren psychoanalytischen Psychotherapien zu erforschen. Bewusst soll keine experimentelle Forschung durchgeführt werden, sondern die tatsächlich durchgeführten Therapien untersucht werden. Im folgenden möchten wir Ihnen das Projekt in einer Zusammenfassung etwas genauer vorstellen, das Vorgehen und die Arbeitsschritte erläutern, sowie Angaben zu Dauer und Aufwand für die Teilnehmer machen.

1) Ziele des Forschungsprojektes

  • Erforschung des analytischen Prozesses und dessen Effekte während des ersten Behandlungsjahres
  • Vergleich der Therapieeffekte in Abhängigkeit von Behandlungsfrequenz und Struktur/ Integration des/der Patienten/in
  • Korrelationen zwischen Symptomveränderung und Inhalten der therapeutischen Arbeit im Prozess
  • Korrelationen zwischen Symptomveränderung und psychodynamischer Veränderung
  • Modellierung des therapeutischen Prozesses aus den Perspektiven des Patienten, des Therapeuten und des/der externen Forschers/in

2) Studiendesign

Die Studie ist als prospektive Längsschnittstudie konzipiert. Untersucht werden sollen die analytischen Prozesse von Therapien mit einer Frequenz von einer und zwei Wochenstunden während des ersten Behandlungsjahres. Die Prozesscharakteristika sollen nicht nur in Abhängigkeit von der Frequenz, sondern auch in Abhängigkeit vom Strukturniveau des Patienten und der Wechselwirkung dieser beiden Faktoren untersucht werden. In jede der zu untersuchenden Gruppen sollen 15 Patienten eingeschlossen werden (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1: Strukturniveau und wöchentliche Behandlungsfrequenz

FREQUENZ

STRUKTUR

1 SITZUNG PRO WOCHE

2 SITZUNGEN PRO WOCHE

Niedriges-mässiges Strukturniveau

N=15

N=15

Mässiges-gutes Strukturniveau

N=15

N=15


3) Stichprobe

In die Studie sollen 60 PatientInnen aufgenommen werden, die folgende Kriterien erfüllen:

  • Alter: 18-60 Jahre
  • PatientInnen mit Diagnosen aus allen diagnostischen Gruppen ausser PatientInnen mit der Diagnose "Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen", "Schizophrenie oder wahnhafte Störung"
  • klinischer Schweregrad: Beeinträchtigungsschwerescore (BSS nach Schepank): hohe Werte auf allen Subskalen oder einen sehr hohen Wert auf mindestens einer der Subskalen
  • Strukturniveau (Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik): mässig oder gering strukturiert

Von der Aufnahme ausgeschlossen werden PatientInnen mit

  • PatientInnen mit Diagnose von psychischen und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen oder mit Diagnose einer Schizophrenie oder wahnhaften Störung (siehe oben)
  • Patienten mit neurologischen Erkrankungen, deren psychiatrischen Symptome sekundär sind.


4) Multiperspektivische, multimethodische Erfassung des therapeutischen Prozesses

Es kommen sowohl quantitative als auch qualitative Methoden zum Einsatz, um eine adäquate Rekonstruktion des therapeutischen Prozesses zu gewährleisten und um reproduzierbare Zusammenhänge zwischen Prozesscharakteristika und begleitenden Veränderungen der Affekt- und Gedankenstrukturen der Patienten zu erfassen.

Während Veränderungen der Symptome relativ einfach und zuverlässig mittels standardisierten Fragebögen werden können, bedarf die präzise Erfassung des/r therapeutischen Prozesse(s), welche den Veränderungen zugrunde liegen, einer Integration der Perspektiven beider Teilnehmer, d.h. des/der PatientIn und des/der AnalytikerIn. Diese werden als komplementär verstanden; sie reflektieren die Erfahrung und die Wahrnehmungen, die Intentionen und Bewertungskriterien beider Teilnehmer im therapeutischen Dialog. Als solche werden sie sehr wahrscheinlich häufig auch zu verschiedenen Einschätzungen der Therapieereignisse führen, wobei keiner/e der TeilnehmerInnen für sich beanspruchen kann, die einzige objektive bzw. wahre Sichtweise zu haben. Wir werden daher sowohl den/die PatientIn als auch den/die Therapeuten/in bitten, Angaben zum aktuellen persönlichen Kontext und den aktuellen Symptomen zu machen (siehe Tabelle 2 [als PDF-Dokument zu öffnen]).

Um eine zusätzliche Aussenperspektive des therapeutischen Szenarios zu gewinnen werden spezifische wissenschaftliche Aufgaben an eine(n) externe(n) ForscherIn delegiert. Diese(r) wird, basierend auf einem psychoanalytischen Interview mit dem/ der PatientIn, den/die Ist Zustand und die Veränderungen in Symptomatologie, Funktionsniveau und Persönlichkeitsstruktur dokumentieren. Diese Evaluation erfolgt bei Eintritt, 6 und zwölf Monate nach Beginn der Therapie. Die vom/von der externen ForscherIn durchgeführten Interviews werden auf Video aufgenommen, um zusätzliche Ratings durch externe Experten zu ermöglichen.
Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass der/ die externe ForscherIn unter keinen Umständen die Entwicklung des therapeutischen Prozesses selbst mit dem/der PatientIn thematisieren darf, um zu vermeiden, dass der therapeutische Prozess übermässig beeinflusst wird. Statt dessen wird er/sie instruiert, sich auf die aktuelle Situation, d.h. die persönlichen Probleme und Konflikte, die sozialen Beziehungen usw. des/der Patienten/in zu konzentrieren. Die Einbindung eines/einer externen Forschers/In dient als zusätzliche forschungstechnische Absicherung, d.h. um der vorherschenden Kritik begegnen zu können, dass die Psychoanalyse sich selten mit der Tatsache/Kritik befasst, dass das, was in der Therapie geschieht, oft subjektiver Natur ist.

Prozessnotizen

Diese ermöglichen dem/der AnalytikerIn den therapeutischen Prozess aus einer Innenansicht zu beschreiben. Folgende Gesichtspunkte/ Aspekte sollen erfasst werden:

Bedeutsame Stunden

Symptomatik

• Ereignis: konkret, szenisch
• Kommentar

• aktuell bedeutsame Symptome
Veränderungen/neue Symptome

Analytischer Prozess/ Zusammenarbeit

Therapeutische Techniken und Ziele

• Beziehung
• Übertragung
• Regression
• Widerstand
• Unbewusste Phantasien
• Psychodynamik
• Therapeutische Zusammenarbeit
• Analytischer Prozess (global)

Gegenübertragung
• SGRT-Fragebogen

Inhalte/Themen
• (Selbst / Innenwelt/ Lebenssituation/ Biographie/ therapeutische Beziehung)

Tabelle 3: Prozessnotizen

5) Zeitaufwand

Zeitaufwand für den/die AnalytikerIn
Das Ausfüllen der Fragebögen benötigt 90 Minuten alle drei Monate während einem Jahr.
Die standardisierten Fragebögen nehmen vergleichsweise wenig Zeit in Anspruch, für den BSS und den TAB werden im Schnitt 5 bis maximal 10 Minuten pro Fragebogen gerechnet. Für das Ausfüllen des PSKB (Psychosozialkommunikativer Befund/ 9 Skalen mit insgesamt 95 Items) rechnen wir mit ca.15-20 Minuten. Das bedeutet, dass im Schnitt 25-40 Minuten für die standardisierten Fragebögen aufgewendet werden müsste. Der grössere Teil der Zeit verbliebe für die Prozessnotizen. Natürlich sind ausführlichere Darstellungen auch sehr willkommen.

Zeitaufwand für den/die PatientIn
• ca. 75 Minuten alle drei Monate
• Interviews: 90 Minuten alle halben Jahre für den Patienten

Zeitaufwand Organisation:
• kein Zeitaufwand für den/die AnalytikerIn, lediglich Versand der ausgefüllten Unterlagen an die Projektzentrale
• Terminplanung für den PatientInnen, evtl. Anreise wird durch die Studienzentrale übernommen

Voraussetzungen für die Teilnahme an der Studie und Schulung
Der/die AnalytikerIn muss die Ausbildungsstandards (EFPP) erfüllen (siehe Ausbildungsrichtlinien)

Schulung BSS: Falls der/ die AnalytikerIn den BSS nicht kennt bzw. nicht erlernt hat, kann eine Schulung organisiert werden, die ca. 1-2 Stunden dauert.

6) Praktisches Vorgehen: Ich habe mich zur Teilnahme an der Studie entschieden, was nun?

• Bei Therapieplanung ans Projekt denken. Therapieanmeldung bis Ende 2004.
• Vor Behandlungsbeginn: PatientIn wegen Teilnahme fragen. Falls dieser einer Teilnahme zustimmt melden Sie den/die Patienten/in bei Forschungszentrale an, welche die weitere Organisation übernimmt (Versand der Einverständniserklärung und der Datenschutzinformation an AnalytikerIn und PatientIn, Versand von Fragebögen, Organisation des Rückversands, Terminabsprache mit PatientIn etc.)

7) Zeitpunkt der Anmeldung

Häufig braucht der/ die AnalytikerIn zu Beginn der Behandlung mehrere Sitzungen, um eine Entscheidungsgrundlage für die Rahmenbedingungen der Therapie zu fällen (Häufigkeit der Sitzungen, Kontakt mit dem/der Therapeuten/in ausserhalb der Sprechstunde etc.). Dies wird auch im Rahmen der Studie berücksichtigt. Der/ die AnalytikerIn soll genügend Zeit haben (bis 15 Sitzungen), um diese Entscheidungsgrundlagen zu erarbeiten und den/ die Patienten/in über eine mögliche Teilnahme an der Studie zu informieren.

Wir hoffen, dass wir Ihnen das Projekt in dieser Synopsis näher bringen und Sie dafür interessieren konnten. Das Projekt ist wie bereits zu Beginn erwähnt praxisnah geplant und kann damit wesentlich zur Ausleuchtung/Analyse in therapeutischer Prozesse im ambulanten Setting beitragen. Gerne erwarten wir Ihre Anmeldung und stehen Ihnen für weitere Fragen zur Verfügung.

Prof. Dr. J. Küchenhoff

Anmeldung:
Frau Knauss: christine.knauss@pukbasel.ch
Tel. Mo u. Di 061/272 63 46
Frau Schneider: ruth.schneider@pukbasel.ch
Tel. O76/577 87 80

 

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last modified: 2006-10-29