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Psychoanalytische Psychotherapie für Kinder und
Jugendliche
Dass bereits Kinder seelisch krank sein können, ist für
viele Menschen irritierend und wird oft nicht zur Kenntnis genommen. Tatsächlich
leiden aber beispielsweise im Kanton Zürich rund zwanzig Prozent
aller Jugendlichen zwischen 13 und 20 Jahren unter Angststörungen,
Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen (Befragung der Kinder-
und Jugendpsychiatrischen Universitätsklinik Zürich von 1997).
Auch psychische Erkrankungen bei Erwachsenen haben ihre Wurzeln häufig
in unerkannten seelischen Störungen des Kindes- und Jugendalters.
Werden diese Störungen frühzeitig erkannt und behandelt, kann
das Risiko für spätere psychische Erkrankungen oder für
eine Verschlimmerung und Chronifizierung der im Kindesalter bestehenden
Erkrankung verringert werden. Psychoanalytische Psychotherapie stellt
eine valable und effektive Behandlungsalternative dar (z.B. bei depressiven
und hyperaktiven Kindern), die nicht nur die aktuellen Symptome beseitigt,
sondern auch die zugrunde liegenden seelischen Störungen und die
damit verbundenen Entwicklungsbeeinträchtigungen.
Ohne Couch: Spezielle Methode für Kinder und Jugendliche
Kinder kann man nicht auf die Couch legen. Sie bewegen sich frei im Behandlungszimmer,
das ein Spielzimmer ist. Hier dienen nicht in erster Linie verbale Äusserungen,
sondern vor allem Inszenierungen im Spiel und bildnerische Darstellungen
(z.B. Zeichnungen) der Exploration der inneren Welt des Kindes und seiner
entwicklungsbehindernden Konflikte und Erfahrungen. Auch mit ganz jungen
Kindern, die sich sprachlich noch kaum mitteilen können, oder bei
gestörter Sprachentwicklung ist deshalb die Durchführung einer
psychoanalytischen Psychotherapie möglich. Bei Jugendlichen stützt
sich die Psychotherapie in erster Linie auf sprachliche Mitteilungen.Die
Kinderpsychotherapeutin lässt sich in das kindliche Spiel oder das
Gespräch soweit einbeziehen, wie es für ein szenisches Verstehen
und für das Verständnis dessen, was das Kind oder die Jugendliche
mitteilen möchte, notwendig erscheint. Die dargestellten oder ausgedrückten
bewussten und unbewussten Ängste, Wünsche und Konflikte werden
in der therapeutischen Beziehung bewusst zugänglich, gedeutet und
bearbeitet. Neue altersentsprechende Lösungsmöglichkeiten können
gefunden werden und die stockende Entwicklung kommt wieder in Gang.
Die Eltern sind an der Therapie beteiligt
Begleitend zur Therapie des Kindes werden in der Regel Gespräche
mit den Eltern geführt, um einerseits die Eltern beim Umgang mit
den kindlichen Problemen zu unterstützen und andererseits Veränderungen
in der Eltern-Kind-Beziehung zu ermöglichen, die ein Aufgeben der
Symptomatik und die altersgerechte Entwicklung des Kindes erleichtern.
Veränderungen des familiendynamischen Gefüges durch den psychotherapeutischen
Prozess des Kindes können in diesem Rahmen bearbeitet werden. Bei
Kindern in den ersten Lebensjahren kann die Behandlung zusammen mit den
Eltern erfolgen und auf die Eltern-Kind-Beziehung fokussiert sein. Bei
Jugendlichen werden die Eltern der jeweiligen Situation entsprechend mehr
oder weniger stark einbezogen.
Behandlungsziele
Eine Behebung oder Besserung der Krankheitssymptome ist durch die Behandlung
in aller Regel möglich. Darüber hinaus ist das allgemeine Ziel
die Beseitigung der seelischen Erkrankung, die den Krankheitssymptomen
des Kindes oder der Jugendlichen zugrunde liegt. Das verhindert eine Verschiebung
der Symptomatik, wenn z.B. das unerwünschte aggressive Verhalten
verschwindet, statt dessen aber Bauch- und Kopfschmerzen auftreten, oder
Schlafstörungen eine Enuresis ablösen, weil die zugrunde liegenden
Schwierigkeiten nicht behoben sind.
Je nach Krankheitsbild sind die Ziele im Einzelnen:
- die Verbesserung der Beziehungsfähigkeit
und der sozialen Integration;
- die körperliche Gesundheit und die Fähigkeit
zur altersentsprechenden Selbstfürsorge;
- das emotionale Gleichgewicht und die Fähigkeit,
Konflikte auszuhalten und produktiv zu lösen;
- die altersentsprechende Verselbstständigungo
sowie die Verbesserung der Lern- und Leistungsfähigkeit.
Die altersgerechte Bewältigung der anstehenden Entwicklungsaufgaben
ist das übergeordnete Therapieziel.
Indikation
Als Erstes muss geklärt werden, ob tatsächlich eine psychische
Erkrankung vorliegt oder lediglich eine vorübergehende psychische
Reaktion oder eine Erziehungsproblematik. Danach beurteilt die Kinder-
und Jugendlichenpsychotherapeutin nach gründlicher Abklärung
mit dem Kind und dem sozialen Umfeld, welche Art der Psychotherapie im
Falle einer psychischen Erkrankung mit welcher Häufigkeit und Dauer
aussichtsreich ist, und wie die Kooperation mit Kinderarzt, Schule oder
anderen betroffenen Einrichtungen gestaltet werden kann.
Dauer der psychoanalytischen Psychotherapie von Kindern
oder Jugendlichen
Die Dauer ist von vielen Faktoren abhängig. Alter des Kindes undDauer
der Erkrankung können eine Rolle spielen. Zu warten, ob sich die
Störung "auswächst", ist also unökonomisch. Die
Schwierigkeiten verfestigen sich, werden Teil der Persönlichkeitsstruktur
und führen zu umfangreicheren Behandlungsnotwendigkeiten, während
ein Eingreifen bei einer akuten Schwierigkeit bei Kindern oft mit geringem
therapeutischem Aufwand viel bewirken kann, weil die Kinder sich ohnehin
in einer Entwicklungsbewegung befinden. Psychoanalytische Therapie mit
dem Ziel von Veränderungen in der Persönlichkeitsstruktur braucht
zirka 90 bis 180 Stunden bei einer Stundenfrequenz von ein bis drei Sitzungen
in der Woche, je nach Chronifizierung und Schweregrad der Erkrankung.
Psychoanalytische Fokal- oder Kurzzeittherapie bzw. Krisenintervention
wird wie bei Erwachsenen in zirka 30 Stunden durchgeführt.
Wirtschaftliche Erwägungen
Seelische Belastungen zeigen sich bei Kindern nicht nur im Verhalten.
Weit häufiger als Erwachsene reagieren sie mit körperlichen
Symptomen. Die körperliche Verfassung eines Kindes sollte deshalb
nicht losgelöst von der seelischen Entwicklung betrachtet werden.
Dann können durch eine frühzeitige Psychotherapie körperliche
Erkrankungen und Spitalaufenthalte des Kindes vermindert und vermieden
werden. Im Leistungsbereich wird die schulische Integration hergestellt
und damit einem Schul- und Ausbildungsversagen mit entsprechenden Folgekosten
vorgebeugt. Ein weiterer entscheidender Grund für eine frühzeitige
psychotherapeutische Abklärung von Kindern und Jugendlichen ist die
Verhinderung einer kostenintensiven Chronifizierung von psychischen Erkrankungen
(Angststörungen, so genannte Hyperaktivität, Selbstverletzung
oder Unfallneigung, Zwangserkrankungen, depressive Störungen) oder
von psychogen (mit)bedingten körperlichen Erkrankungen (z.B. Neurodermitis,
Asthma bronchiale, Enuresis, Enkopresis, Essstörungen, Schlafstörungen).
Eine zunehmend unkritische Verordnung von Psychopharmaka undSchlafmitteln
an psychisch kranke Kinder und Jugendliche hilft ihnen nicht bei der Bewältigung
ihrer seelischen Probleme und Entwicklungsaufgaben. Die Wahrscheinlichkeit,
dass notwendige innere und äussere Veränderungen unterbleiben,
ist gross, wenn psychosomatische, verhaltensbezogene oder emotionale Störungen
nicht psychotherapeutisch behandelt werden. Relativ wenig psychische Störungen,
wie zum Beispiel kindliche Psychosen, erfordern eine Kombination aus Pharmako-
und Psychotherapie.
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