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Seit Freud wird das psychoanalytische Denken nicht nur auf den Einzelnen
oder die individuelle Psyche ausgerichtet, sondern immer auch auf die
sozialen und zwischenmenschlichen Beziehungen. Es geht in dieser Betrachtungsweise
um die grundsätzlich "soziale Natur" des Menschen :Der
einzelne Mensch entwickelt seine Persönlichkeit immer in den Beziehungen
zu anderen Menschen. Sie betont auch die gegenseitige Beeinflussung zwischen
dem Individuum und dem sozialen Umfeld wie Familie, Schule, Freizeitgruppen,
Arbeit, Volksgemeinschaften usw. Diese dynamischen Prozesse wirken jederzeit
im Hier-und-Jetzt des Menschen. Die Beziehungserfahrungen bestimmen, wie
wir in eine Gemeinschaft hineintreten; jeder Mensch wird aber immer auch
durch die für ihn massgebenden Gruppen beeinflusst.
Gruppenanalytische Konzepte wurden in der Folge auf verschiedene Gebiete
übertragen wie z.B. Gruppenpsychotherapie, Familientherapie, Therapeutische
Gemeinschaften, Team-Supervision, Balint-Gruppen und Institutionsentwicklung.
Den verschiedenen Gruppentherapien sind grundsätzliche Konzepte
der Psychoanalyse gemeinsam :
- Ausgangspunkt ist die Entwicklungspsychologie und
Krankheitslehre der Psychoanalyse. Der besondere Blickwinkel der Gruppe
ist dabei, dass die Störungen des Einzelnen immer auch Ausdruck
gestörter Gruppenbeziehungen sind (z.B. in der Familie). Diese
Entstehungsbedingungen sind dem betroffenen Menschen weitgehend unbewusst.
Störungen wie Ängste, Selbstwertprobleme oder Depressionen
kommen im Austausch mit der sozialen Umwelt zum Ausdruck; die betroffenen
Menschen sind nicht mehr in der Lage, ihre Bedürfnisse in ihren
sozialen Beziehungen angemessen zu äussern und zu befriedigen.
Die Probleme werden auf jede Gruppe übertragen - auch auf die therapeutische
Gruppe.
- Psychoanalytische Gruppenpsychotherapie ermöglicht
einen therapeutischen Prozess, der die Wechselwirkungen zwischen Individuum
und Gruppe sicht- und spürbar macht. Die für den Einzelnen
typischen Konfliktsituationen werden in der Gruppe wiederholt und kommen
in den Beziehungen in der Gruppe zur Darstellung. Sie können dadurch
erkannt und bearbeitet werden. Auch die sogenannt "negativen"
Emotionen wie Angst, Trauer, Wut, Aggression, Neid und Hass können
ausgedrückt werden. Die heftigen Gefühle werden mit Hilfe
der Gruppe auf dem Hintergrund der eigenen Geschichte verstanden, was
einen freieren und konstruktiven Umgang ermöglicht.
- Die psychoanalytische Gruppenpsychotherapie baut
auf der freien Kommunikation und Assoziation in der Gruppe auf. Grundlage
ist der sprachliche Austausch, in dem auch die nonverbalen Zeichen erkannt
und benannt werden und in die Kommunikation einfliessen. Kommunikation
verdeutlicht, was der einzelne mitteilen möchte, macht gleichzeitig
aber auch sichtbar, wie dieser Eigenausdruck von verzerrten Wahrnehmungen,
Stereotypien, Vorurteilen und Projektionen auf andere Menschen durchsetzt
ist. In dem diese Verzerrungen und Projektionen in der Gruppe erkannt
werden, führt die so verstandene Kommunikation letztlich zu einer
besseren Wahrnehmung des Unterschiedes von Ich und Du. In diesem Austausch
mit der äusseren Welt kann der Einzelne seine innere Welt erkennen
und die Fähigkeit gewinnen, zwischen seinen früheren Beziehungserfahrungen
(internalisierte Objektbeziehungen) und den gegenwärtigen Beziehungen
zu unterscheiden. Aus der Kommunikation entsteht ein Lernen, sich auf
andere Menschen einstimmen zu können, ihnen und ihrer Erfahrung
wie auch der eigenen Erfahrung Respekt und Sinn zu geben und dabei die
eigene Handlungsweise neuen Situationen anzupassen.
- Psychoanalytische Gruppenpsychotherapie wird mit
einer Gruppe von zumeist sechs bis zehn Menschen in einem bestimmten
Setting (oder Rahmen) durchgeführt. Setting bedeutet, dass Ort,
Zeit, Dauer und Bezahlung mit den Teilnehmern abgesprochen und eingehalten
werden. Mit den einzelnen Teilnehmern werden im Voraus auch ihre Erwartungen
für die psychotherapeutische Arbeit besprochen und die Aufgabe
der Gruppe umrissen.
- Die Gruppe ist wohl ein geschützter Raum,
aber dennoch ein sozialer Mikrokosmos, in dem sich in einer neuen Wirklichkeit
die unterschiedlichsten Menschen zusammenfinden.
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